Der 2.Auftrag oder Vorne Hui,hinten Pfui ! Teil 2

Der erste Schock, ausgelöst von der desolaten  Küche des neuen Auftrages lag hinter mir. Nun folgte der erste Arbeitstag in dieser Köche feindlichen Umgebung aus alten oder defekten  Küchengeräten und mangelnder Hygiene. Es gibt immer wieder Küchen die  ich betrete, in der mein erster  Gedanke  immer der gleiche ist. Küche schließen  und 3 Tage Grundreinigung .Was natürlich in den meisten Fällen so nie passiert. Nein, nein. Denn oft sind die Mitarbeiter so an den Zustand gewöhnt, das Ihnen gar nicht mehr auffällt, in welcher Umgebung sie da arbeiten. Und 3 Tage schließen, heißt ja 3 Tage keinen Umsatz machen. Also versucht man, wieder einmal alles nebenher zu bewerkstelligen. Am ersten Arbeitstag lag logischerweise schon ein enormes Pensum an Vorbereitungen an. Da am nächsten Tag eine große Veranstaltung gebucht war. Also keine Zeit für lange Vorreden und Einweisungen. Wieder einmal vom ersten Tag an nur Stress. Denn Mietköche kosten ja Geld und werden meist nur kurz vor Knapp gebucht. Die werden es schon irgendwie hinbekommen, ist wohl die Meinung vieler Gastronomen. Nun ging es frisch ans Werk. Unter den kritischen Blicken der Inhaber, die alle paar Minuten  in der Küche auftauchten um meine Arbeit zu  begutachten, absolvierte ich mit Hilfe der Auszubildenden die Vorbereitung für den nächsten Tag.
Dabei waren dann Kommentare wie, “ Die Knochen nicht zu scharf anrösten, die Sauce wird dann Bitter“ oder ähnliches an der Tagesordnung. Gut gelaunt und kundenfreundlich war meine Antwort immer die gleiche. „Ja stimmt, das habe ich auch mal gelernt.“
Auch die Auszubilden, sei es im Service oder Küche bekamen Ihre Portion an Kontrollwahn und scharfen Sprüchen. Ja, das Klima, war nicht die entspannte Arbeitsatmosphäre  eines kooperativen Führungsstiles. Als professioneller Mietkoch sieht man in diesem Fall einfach  seinen Aufragt. Und der hat natürlich auch ein Enddatum. Am Abend nach Abschluss der Vorbereitungen, begann dann das À la carte Abendgeschäft. Oder nennen wir es besser Chaos am Abend. Am besten schildere  ich einfach mal den Ablauf  einer Bestellung. Köche, die das jetzt lesen, werden sicher die Hände über den Kopf zusammenschlagen.
Also ein Kellner kommt und legt einen Zettel mit Handschriftlichen Hieroglyphen in die Nähe des Wasserbades. Mangels eines ordentlichen Küchenpasses (beheizte Anrichtefläche in Küchen) . Also selbst mit viel Fantasie konnte ich nicht ein Wort entziffern aus dieser Ansammlung von Zeichen und Strichen. Daraufhin geht einer von den Auszubildenden zum Bon (so nennt man die Zettel mit den Bestellungen der Gäste) und legt ihn wieder hin. Geht zum nächsten Azubi und sagt ihm den Inhalt der Bestellung.“ Keine Annonce“, frage  ich. Alle schauen mich verständnislos an. „Darunter versteht man das Ausrufen der Bestellung an die übrige Küchenmannschaft“, sage ich meinen verdutzten Küchen Aspiranten. Keine Antwort. Dann laufen alle wie wild durcheinander für wohlgemerkt zwei  Essen die auf der Bestellung standen. Ein Matjesgericht und ein Filetsteak Ein munteres durcheinander  beginnt. Einer läuft in den Keller. Der nächste in den Kühlraum. Der aus dem Keller kommende Azubi hat ein Rinderfilet in der Hand. Tiefgefroren .Mir schwahnt  schreckliches. Und wirklich, der Wasserhahn läuft und heißes Wasser beginnt zu fließen. Das Rinderfilet wandert in die heiße Flüssigkeit und der Rand beginnt sich freudig in ein sattes grau zu verwandeln. Mein Puls rast langsam in die Höhe der Decke. Neben mir beginnt jemand freudig  Äpfel zu schälen um eine  Hausfrauensauce herzustellen. Ich frage nach Mise en place(die Vorbereitungen in der Küche).Die Antwort“, Machen  wir immer erst wenn es kommt“. Ja, dass sehe ich. Hinten höre ich jemanden wieder in den Keller zu rennen. Oh, ja. Gemüse vergessen. Wieder ein Fall für das heiße Wasser ? So langsam wird mir einiges klar. Ich frage nach Posteneinteilungen. In jeder Küche gibt es eine Einteilung nach Posten. Ein Koch ist verantwortlich für  Gemüse und Beilagen, der andere für Fleisch und Sauce und so weiter. Die Antwort hätte ich mir auch selber geben können. “Hier macht jeder was er will. Wir haben keinen Posten.“ Genau und darum läuft ja alles auch so gut hier. Oh, diese Momente in meinem Beruf, die mag ich ganz besonders. Da schreit das Inneres förmlich, „ich will raus hier“
Ich schaue mir das Spiel an, bis der Hauptgang der zwei Essen raus ist und greife dann beherzt ein. „So. ende. Eine Stunde und 12 Minuten für 2 Hauptgänge geht gar nicht.“ Es folgt eine  Kurze und knappe Aufgabenverteilung an die Azubis. Die aufkommenden Kommentare und Wiederworte werden durch meine ernste Miene im Keim erstickt. Mürrisch geht man an die Arbeit. Und an dem Abend versuche ich weitere eklatante Fehler und Chaos zu vermeiden.

Es geht weiter…Lesen Sie warum Wildfleisch auch wenn es im Fett eingeschlossen ist, nicht 4 Wochen haltbar ist. ( Es ekelt mich heute noch !)

29.September


Heute produziert (32 Personen 2*4 Gang)

Süßkartoffelsalat mit Chili, Bacon und Red Pearls
Kartoffel-Thymiansuppe mit gebratenen Austersseitlingen

Zitronen-Quark-Mousse mit Brombeerragout
Quitten-Joghurt-Mousse mit Zimtsabayon

Antipasti:
gegrillte Auberginen, Zucchini, Paprika und eingelegte Champignons
im Ofen gebackene rote Thymian Zwiebeln mariniert mit Balsamessig und Olivenöl
Oliven, marinierter Schafskäse

Markklößchen

für 4-5  Personen

50 g Ochsenmark
1 Ei (50 g)
50 g  Mie de Pain
Salz, Pfeffer und Muskat

- das Mark in kaltem Wasser ca. 1 Stunden wässern
- alles in der Küchenmaschine fein mixen.
- fein gewiegte Kräuter zugeben
- mit Salz, Pfeffer und Muskat Abbschmecken.
- Masse kühl stellen.
- den Teig mit etwas Mehl zu langen Walzen formen.
- diese in kleine gleichmäßige stücke schneiden.
- Stücke mit Mehl bestäuben und in einem Rahmensieb mit kreisenden Bewegungen zu Kugeln formen.
- für ca 30 Minuten Kühl stellen.
- In kochender Brühe blanchieren.

Pro Person rechnet man ca. 20g Suppeneinlage.

zu beachten: Nicht zu lange mixen, da das Mark bei der entstehenden Hitze gerinnt und die Masse dann nicht mehr verwendet werden kann.

28.September

Heute produziert (40 Personen & 2*4 Gang Menü)

Rinderkraftbrühe mit Markklößchen und Gemüsen
Matjestatar auf Pumpernickel
Poulardenbrust in der Kräuterkruste
Rotweinsabayon, Polenta
Thunfisch mit Tapenade 
Cous Cous Salat mit Zucchini und Schafskäse
Orangenvinaigrette

Mark Ravioli


Eine Suppeneinlage für Kraftbrühen.

Sie benötigen:

1/2 Rezept Nudelteig Grundrezept

50 g Ochsenmark
1 Ei
50 g  Mie de Pain
Salz, Pfeffer und Muskat

- das Mark in kaltem Wasser ca. 1 Stunden wässern
- alles in der Küchenmaschine fein mixen.
- fein gewiegte Kräuter zugeben
- mit Salz, Pfeffer und Muskat Abbschmecken.
- Masse kühl stellen.
- Nudelteig dünn Ausrollen.
- in  gleichmäßigem Seitlichem Abstand mit Hilfe eines Dressierbeutels, die Markmasse im oberen Bereich auftragen.
-   Eistreiche zwischen der Füllung auftragen
- den unteren  Seite des Teiges nach oben umschlagen, sodass die Teigenden oben aufeinander liegen.
-   Luft zwischen den Teigplatten herausdrücken und mit einem Teigrad die Ravioli ausschneiden.
- In Salzwasser blanchieren.
 

zu beachten: Nicht zu lange mixen, da das Mark bei der entstehenden Hitze gerinnt und die Masse dann nicht mehr verwendet werden kann. Kleine Menge der Füllung auftragen, da die Ravioli als Suppeneinlage verwendet werden.

Mie de Pain

bezeichnet man frisch geriebenes Weißbrot ohne Rinde.

Verwendung:
- Bestandteil von Krusten
- als Bindemittel für Saucen z.B klassische Meerrettichsauce  
- zum Strecken von Farcen (Panaden)
- zum Panieren  

Herstellung:
Weißbrot wird entrindet und mit Hilfe einer Küchenmaschine oder der Reibe zerkleinert.

Rissolen mit Lamm und Curry

50 g Zwiebeln, gewürfelt
1 Knoblauchzehe
250 g Lammfleisch, gewürfelt
0,5 TL Salz
2 TL Currypulver
1 TL Tomatenmark
1 Lorbeerblatt
50 ml Hühnerbouillon
1 Apfel, fein gewürfelt
1 Ei
Pastetenteig
Fett zum Frittieren
Mie de pain oder Paniermehl

- Zwiebeln in Öl anschwitzen
- Knoblauch und Lamm und Gewürze zugeben und Farbe nehmen lassen.
- Brühe zugeben und 10 Minuten köcheln lassen.
- Apfel zugeben.
- erkalten lassen
- Pastetenteig ca 4 mm dick ausrollen.
- 10 cm Kreise ausstechen
- Kreisränder mit Eigelb bestreichen
- Füllung auftragen, zusammenklappen
- panieren
- goldbraun und knusprig frittieren.
Rissolen sind kleine halbmondförmige Pasteten die paniert und in Fett ausgebacken werden.

Graved Lachs /Gravlaks

Der Name geht zurück auf die ursprüngliche Konservierungsmethode des Trockensalzens, bei welcher  der Lachs mit Salz, Zucker, Pfeffer bestreut und mit Dill bedeckt einige Zeit vergraben(gravet) wurde. Die Beize zog  unter dem Druck der Erde in den Lachs ein. Durch das Salz und den Zucker wurde dem Fisch Wasser entzogen, was zu einer Konservierung führte.

Heute wird der Fisch nicht mehr vergraben sondern mit einem Brett bedeckt und einem Gewicht beschwert. Gute Dienste leistet hier auch ein vakuumier Gerät.

Grundrezept Beize. 

2 Teile Salz
1 Teil Zucker
frischer Dill
Abrieb von Orangen und Zitronen
Wacholderbeeren, Pfeffer schwarz (zerstoßen) 

- Die Menge der Beize richtet sich nach der Menge des zu beizendes Produktes.
- Der Lachs sollte grätenfrei und pariert sein.
- Die haut nicht entfernen.
- Der Fisch muss komplett mit der Beize bedeckt sein.
- 2- 3 Tage in der Beize belassen, in dieser Zeit 2-3 mal wenden.
- Druckprobe. Bei Druck auf den Lachs sollte er sich nicht mehr allzu viel nachgeben.
- den Lachs von der Beize befreien.
- mit Öl einpinseln.
- frischen Dill, feingeschnitten auf das Lachsfilet streuen und fest andrücken.
- in Folie einschlagen.
- Nach dem Beizen den Lachs noch 1-2 Tage ruhen lassen.

TIP:
In vielen Rezepten wird empfohlen Zitronenscheiben beizugeben.
Dies führt jedoch zu einer weißen Verfärbung am Lachs und sollte vermieden werden.
Durch die Zugabe weiterer Geschmacksgeben kann der Lachsgeschmack variiert werden.
Mögliche Abwandlungen  sind: Orangen-Basilikum-Lachs, Caipirinha-Lachs, Chili-Lachs, Honig-Blütenlachs