Übergabe (kommt das von Übergeben ?)

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Alltag im Leben eines Mietkochs.
Ein neuer Auftrag als Alleinkoch in einem kleinen Restaurant.
Der Festangestellte Küchenchef gibt eine kleine Einweisung in die Küche, die Abläufe und Lieferanten etc.
Quasi eine Übergabe.
Dass es dabei nicht immer professionell und korrekt zugeht, lesen sie hier.

Dieser Auftrag liegt nun schon ein paar Jahre zurück, hat aber einen so negativen Eindruck auf mich hinterlassen, so dass ich noch heute mit Grausen an diesen Einsatz denke.

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Rückblicke – Oder, es darf (nicht ) gelacht werden.

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In täglichen Alltag eines Mietkochs wird es nie langweilig.
Es gibt stressige Aufträge mit viel Arbeit und viel zu wenig Mitarbeitern.
Leider der Standard in der heutigen Küchen.
Es gibt die Aufträge, an denen man das Ende gar nicht erwarten kann, weil weder das Kochen noch das Umfeld in irgendeiner Form motivierend ist. Kommt leider häufiger vor. Professionell abarbeiten heißt dann die Devise.

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850 Personen, ein Koch und 6 Einweckkessel.

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Vor einigen Jahren wurde ich für eine größere Veranstaltung gebucht.
Eine Hochzeit in einer Stadthalle.
Für circa 850 Personen sollte eine einfache Mahlzeit zubereitet werden.
Ein einfacher Salat, in Schüsseln angerichtet, gebratene Hähnchenbrust, Jus, Salzkartoffeln und Reis.
Im Grunde eine stupide aber einfache Massenproduktion.Wenn das nötige Equipment vorhanden ist.
Nach Betrachtung der vorhandenen Küche kamen mir jedoch die ersten Zweifel an der Einfachheit des Auftrages.
In einer Miniküche mit defekter Deckenbeleuchtung fand ich einen halbwegs funktionierenden Heißluftofen und eine kleine Kippbrattpfanne sowie einen 4 flammen Gasherd. In einem anderen Raum entdeckte ich zum Glück einen großen Combidämpfer mit 10 Einschüben. Das Garen der Hähnchenbrüste war somit gesichert.
Was mit jedoch fehlte, waren Warmhaltegeräte um die Beilagen und das gegarte Hähnchen später warmzuhalten. Den Dämpfer konnte ich nicht nutzen, da die Speisen in einem weit entfernten Raum angerichtet werden sollten.
Nun, dafür würde ich später nach einer Lösung suchen. Die Produktion musste anlaufen, sollte  das Essen Pünktlich serviert werden.
850 Hähnchenbrüste mussten gewürzt und gebraten werden.
Dies stellte sich jedoch als etwas schwieriger wie erwartet heraus. Da Die beiden Geräte in zwei verschiedenen Räumen  standen, musste nun von Raum zu Raum gependelt werden.
Das waren jeweils locker 100 m Wegstrecke. Super. Kostenloses Fitnesstraining.   
Hinzu kam, dass der große Combidämpfer, aus welchen Gründen auch immer, nicht an den Abfluss angeschlossen war. Eine große 40l Plastiktonne war als Auffangbecken missbraucht worden. Die nun alle halbe Stunde geleert werden wollte. Zu allem Überfluss gab es keinen Bodenablauf, sondern nur ein Handwaschbecken. Also 40 kg stemmen und ausgießen. Da war doch was mit Fitnesstraining. Nun, nach 850 Hähnchenbrüsten und gefühlten 10 Kilometer Wegstrecke weiter, war die Arbeit getan. Jetzt mussten nur geeignete Warmhaltegeräte gefunden werden. Nach Inspektion der Anrichteräume hatte ich die Vermutung, dass das Problem mit den Warmhaltegeräten von den Verantwortlichen vor Ort in Angriff genommen worden war. Denn da standen in Reih und Glied, sechs Einweckkessel.
Das sind diese großen Kessel, die man auf  jedem Glühweinstand findet. Dafür erdacht um Flüssigkeiten heiß zu halten. Nicht um Speisen darin zu erwärmen oder längere Zeit heiß zu halten. Als ich den anfänglichen Schock überwunden hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Warmhaltegerät für mein Hähnchen. In der riesigen Anlage war nicht ein Fahrbares Wasserbad oder ähnliches zu finden. Nichts außer einem riesigen mobilen Tassenwärmer , indem hunderte von Kaffeetassen standen. Ein kurzer Temperaturcheck bescheinigte dem Gerät, stolze 110 Grad Temperatur. Das sollte noch ausreichen.
Und so wurden dann 850 Essen von einem Koch aus einem alten Tellerschrank und 6 missbrauchten Einweckkessel ausgegeben. Die Gäste waren zufrieden. Ich hatte Muskelkater und war um eine chaotische Erfahrung reicher.

Der 2.Auftrag oder Vorne Hui, hinten Pfui ! Teil 3


Nach dem anfänglichen Chaos in der Küche, war nun nach einer Woche meines Wirkens, eine gewisse Ordnung eingekehrt. Eklatante kochtechnische Fehler waren zwar noch an der Tagesordnung, wurden jedoch im Ansatz erkannt und ausgemerzt.
Den Auszubildenden kann man in diesem Fall keinen Vorwurf machen, denn hier waren es eindeutig Verfehlungen des Ausbilders. Notwendige Basics der Küchenhygiene sowie der Lagerung von Lebensmitteln sollte  jeder Kochaspirant als erstes Lernen. Dies war hier eindeutig missglückt. Anders konnte ich mit den schlechten Allgemeinzustand der Küche nicht erklären. Auch solche augenfälligen Fehler wie im folgenden Beschrieben.
Eine der Auszubildenden im 3. Lehrjahr sollte für eine Veranstaltung von circa 80 Personen eine  Bayerisch Creme herstellen. Meinen Rat, den Inhalt der Portionsformen auszumessen um den Gesamtbedarf zu ermitteln, wurde missmutig angehört.
Da ich an diesem Tag früher in den Teildienst gehen sollte, konnte ich leider den weiteren Verlauf der Creme Herstellung nicht verfolgen. Um 17:00 Uhr Dienstbeginn sah ich dann die volle Bescherung.
Als erstes, waren aus den 80 Portionen angestrebten Nachspeisen so circa 200 geworden.
Des Weiteren standen die Portionen, nicht wie üblich im Kühlhaus.
Nein, alle 200 Portionen waren in einem Nebenraum der als Abstellkammer genutzt wurde, aufgestellt.   

Der Raum glich einem Flohmarktstand für Glasschalen und Porzellan.
Alle Schalen waren kreuz und quer im Raum verteilt.
Nichts mit Folie abgedeckt und  ich hätte schreien können: „Nicht gekühlt“
Hallo, bei den Schlagwörtern Bayerisch Creme, Ei, Zimmertemperatur da müssen doch alle Warnlampen bei Dir angehen „war meine Antwort.
Die lakonische Antwort war: „Aber das Fenster ist doch auf.“
„Die Veranstaltung ist doch erst morgen, das heißt 24 Stunden bei Raumtemperatur von ca. 20 Grad“ entgegne ich und versuche ruhig zu bleiben.
Das sind die Schlagzeilen von Morgen. 80 Personen auf Familienfeier an Salmonellen erkrankt.
„Und warum 200 Portionen“ fragte ich weiter.
„Ich habe es nicht ausgemessen“, die zu erwartende Antwort.
Betretenes Schweigen.
Wo lernen Auszubildende nur, so mit Lebensmitteln umzugehen.
Keine Spur von Verantwortungsgefühl gegenüber den Gästen.
Solche Begegnungen hatte ich leider schon zu oft bei meiner Tätigkeit als Mietkoch.
Und das nicht nur bei Auszubildenden, die oft durch Unwissen solche Sachen fabrizieren.
Nein, oft bei sogenannten Fachkräften allen Alters. Das sind die Momente, in denen man sich für seinen Berufstand schämt.
Im Abendgeschäft des Tages kam dann direkt der nächste Fauxpas.
Als für eine a la carte Bestellung kein Hirschrückenfilet mehr da ist, sage ich es aus.
Daraufhin kommt die Inhaberin des Hauses, geht in das Kühlhaus und kommt mit einem Porzellantiegel zurück. „Hier ist doch noch etwas“, sagt Sie.
Ich schaue mir den Behälter an und sehe nur weißes Fett. Könnte Schmalz sein denke ich.
„Da hat der Küchenchef, Hirsch in Fett eingelegt“, entgegnet Sie.
Meine Überlegung teile ich Ihr dann auch sofort mit, “Aber der ist doch schon 4-5 Wochen krank.“
Sie schaut mich verständnislos an und meint dann, “ Das hält sich doch so lange.“
Ich hole zu demonstrationszwecken das Fleisch heraus und es beginnt fürchterlich zu stinken.
Sie meint das wäre Hautgout.
Ich sage Ihr, das ist einfach nur total vergammelt. Sie besteht darauf das Stück zu braten.
Daraufhin sage ich Ihr unmissverständlich, dass ich mich weigere bewusst Menschen zu gefährden.
Schnaufend verlässt sie die Küche und der Gast ist gerettet.
Da habe ich die Antwort auf meine Frage: „wo lernt man so mit Lebensmitteln umzugehen.“

Es geht noch weiter……

Stalagmiten und Stalaktit im Tiefkühler, muss das sein ?

Anmerkung :
In meiner Tätigkeit als Mietkoch versuche ich immer auf Missstände innerhalb der Küche hinzuweisen und diese umgehend auszuräumen.
Bei jedem Auftrag gebe ich Anregungen und Tips, um das bestmögliche für den Betrieb und die Mitarbeiter zu erreichen.
Leider werden meine Anregungen, wie dieses Beispiel zeigt, nicht immer angenommen.
   

Der 2.Auftrag oder Vorne Hui,hinten Pfui ! Teil 2

Der erste Schock, ausgelöst von der desolaten  Küche des neuen Auftrages lag hinter mir. Nun folgte der erste Arbeitstag in dieser Köche feindlichen Umgebung aus alten oder defekten  Küchengeräten und mangelnder Hygiene. Es gibt immer wieder Küchen die  ich betrete, in der mein erster  Gedanke  immer der gleiche ist. Küche schließen  und 3 Tage Grundreinigung .Was natürlich in den meisten Fällen so nie passiert. Nein, nein. Denn oft sind die Mitarbeiter so an den Zustand gewöhnt, das Ihnen gar nicht mehr auffällt, in welcher Umgebung sie da arbeiten. Und 3 Tage schließen, heißt ja 3 Tage keinen Umsatz machen. Also versucht man, wieder einmal alles nebenher zu bewerkstelligen. Am ersten Arbeitstag lag logischerweise schon ein enormes Pensum an Vorbereitungen an. Da am nächsten Tag eine große Veranstaltung gebucht war. Also keine Zeit für lange Vorreden und Einweisungen. Wieder einmal vom ersten Tag an nur Stress. Denn Mietköche kosten ja Geld und werden meist nur kurz vor Knapp gebucht. Die werden es schon irgendwie hinbekommen, ist wohl die Meinung vieler Gastronomen. Nun ging es frisch ans Werk. Unter den kritischen Blicken der Inhaber, die alle paar Minuten  in der Küche auftauchten um meine Arbeit zu  begutachten, absolvierte ich mit Hilfe der Auszubildenden die Vorbereitung für den nächsten Tag.
Dabei waren dann Kommentare wie, “ Die Knochen nicht zu scharf anrösten, die Sauce wird dann Bitter“ oder ähnliches an der Tagesordnung. Gut gelaunt und kundenfreundlich war meine Antwort immer die gleiche. „Ja stimmt, das habe ich auch mal gelernt.“
Auch die Auszubilden, sei es im Service oder Küche bekamen Ihre Portion an Kontrollwahn und scharfen Sprüchen. Ja, das Klima, war nicht die entspannte Arbeitsatmosphäre  eines kooperativen Führungsstiles. Als professioneller Mietkoch sieht man in diesem Fall einfach  seinen Aufragt. Und der hat natürlich auch ein Enddatum. Am Abend nach Abschluss der Vorbereitungen, begann dann das À la carte Abendgeschäft. Oder nennen wir es besser Chaos am Abend. Am besten schildere  ich einfach mal den Ablauf  einer Bestellung. Köche, die das jetzt lesen, werden sicher die Hände über den Kopf zusammenschlagen.
Also ein Kellner kommt und legt einen Zettel mit Handschriftlichen Hieroglyphen in die Nähe des Wasserbades. Mangels eines ordentlichen Küchenpasses (beheizte Anrichtefläche in Küchen) . Also selbst mit viel Fantasie konnte ich nicht ein Wort entziffern aus dieser Ansammlung von Zeichen und Strichen. Daraufhin geht einer von den Auszubildenden zum Bon (so nennt man die Zettel mit den Bestellungen der Gäste) und legt ihn wieder hin. Geht zum nächsten Azubi und sagt ihm den Inhalt der Bestellung.“ Keine Annonce“, frage  ich. Alle schauen mich verständnislos an. „Darunter versteht man das Ausrufen der Bestellung an die übrige Küchenmannschaft“, sage ich meinen verdutzten Küchen Aspiranten. Keine Antwort. Dann laufen alle wie wild durcheinander für wohlgemerkt zwei  Essen die auf der Bestellung standen. Ein Matjesgericht und ein Filetsteak Ein munteres durcheinander  beginnt. Einer läuft in den Keller. Der nächste in den Kühlraum. Der aus dem Keller kommende Azubi hat ein Rinderfilet in der Hand. Tiefgefroren .Mir schwahnt  schreckliches. Und wirklich, der Wasserhahn läuft und heißes Wasser beginnt zu fließen. Das Rinderfilet wandert in die heiße Flüssigkeit und der Rand beginnt sich freudig in ein sattes grau zu verwandeln. Mein Puls rast langsam in die Höhe der Decke. Neben mir beginnt jemand freudig  Äpfel zu schälen um eine  Hausfrauensauce herzustellen. Ich frage nach Mise en place(die Vorbereitungen in der Küche).Die Antwort“, Machen  wir immer erst wenn es kommt“. Ja, dass sehe ich. Hinten höre ich jemanden wieder in den Keller zu rennen. Oh, ja. Gemüse vergessen. Wieder ein Fall für das heiße Wasser ? So langsam wird mir einiges klar. Ich frage nach Posteneinteilungen. In jeder Küche gibt es eine Einteilung nach Posten. Ein Koch ist verantwortlich für  Gemüse und Beilagen, der andere für Fleisch und Sauce und so weiter. Die Antwort hätte ich mir auch selber geben können. “Hier macht jeder was er will. Wir haben keinen Posten.“ Genau und darum läuft ja alles auch so gut hier. Oh, diese Momente in meinem Beruf, die mag ich ganz besonders. Da schreit das Inneres förmlich, „ich will raus hier“
Ich schaue mir das Spiel an, bis der Hauptgang der zwei Essen raus ist und greife dann beherzt ein. „So. ende. Eine Stunde und 12 Minuten für 2 Hauptgänge geht gar nicht.“ Es folgt eine  Kurze und knappe Aufgabenverteilung an die Azubis. Die aufkommenden Kommentare und Wiederworte werden durch meine ernste Miene im Keim erstickt. Mürrisch geht man an die Arbeit. Und an dem Abend versuche ich weitere eklatante Fehler und Chaos zu vermeiden.

Es geht weiter…Lesen Sie warum Wildfleisch auch wenn es im Fett eingeschlossen ist, nicht 4 Wochen haltbar ist. ( Es ekelt mich heute noch !)

Der 2.Auftrag oder Vorne Hui,hinten Pfui !

Der zweite Auftrag. Während meines ersten Auftrages trudelten fast täglich neue Angebote ein. An manchen Tagen war es so schlimm, dass ich das Telefon ausschalten musste um meiner normalen Tätigkeit nachgehen zu können. Es folgten die spöttischen Bemerkungen meines Kunden, der meinte er würde jetzt auch als Mietkoch arbeiten. Da könnte man ja mehr verdienen wie er  jetzt hier in seinem Restaurant .Meine Antwort sollte eigentlich lauten. „Hätten Sie vom Anfang an alles richtig gemacht, würden Sie jetzt auch Geld verdienen“. Aber Kundenorientiert sagte ich dann brav, „Ja, es läuft gut an “ und der Kunde war beruhigt. Und so war mein nächster Kunde schnell gefunden. Eine Krankeitsvertretung für ein paar Wochen. Also machte ich mich auf den Weg zum Auftrag Nummer zwei. Eine gewisse Spannung ist immer dabei und man fragt sich, was einen wohl bei diesem Auftrag erwartet. Zum damaligen Zeitpunkt hatten einige Mietköche in Deutschland einen schlechten Ruf als ungepflegte, dem Alkohol nicht abgeneigte Köche, hinterlassen. Um diesem entgegenzutreten, erfolgte das Erstgespräch immer professionell  im dunklen Anzug mit Referenzliste und Zeugnissen. Und so traf ich dann am frühen Abend in ein großes feudales Hotel Restaurant ein, das augenscheinlich gerade frisch renoviert war. Überall saßen Gäste, ein guten Zeichen für einen florierenden Betrieb. Anscheinend sah man in mir eher den Gast, als den Koch und wollte mich zu einem Tisch geleiten. Nach kurzer Klärung wurde ich dann an einem kleinen Tisch plaziert.Nach kurzer Wartezeit kam der Besitzer des Hauses um mir die Situation zu erklären. Im Grunde ist es eigentlich immer das gleiche. Die Gründe für einen Einsatz sind entweder Krankheitsfälle, Köche die Spontan das Handtuch geschmissen haben oder gekündigt wurden oder Unterstützung bei Neueröffnungen. In einem Fall habe ich auch davon gehört, dass eine komplette Brigade den Dienst quittiert hat. Nun, in diesem Fall war es dann einfach ein erkrankter Koch. Und nun folgte der Weg zur Küche durch einen wirklich prachtvollen Betrieb an dem wirklich an nichts gespart worden war. Oh, hatte ich an nichts geschrieben. Der Eintritt in die Küche machte mich dann nämlich für 2 Sekunden wirklich sprachlos. Dann rutsche mir spontan heraus. „Ja, wie immer Außen Hui,innen Pfui“. Und damit meinte ich die vor mir liegende Küche. Das erinnerte mich eher an ein Provisorium als an eine Küche. Und in der Küche standen keine Köche sondern wohl merklich nur Auszubildende, die mich anscheinend für einen Vertreter hielten. Nach kurzer Klärung meines Hierseins, erfuhr ich dann auch die Namen der 3 Auszubildenden und in welchem Ausbildungsjahr sie sich befanden. Während der ganzen Zeit fuhren meine ungläubigen Blicke durch die Küche und in meinem Kopf stellten sich die ersten Überlegungen an, wie ich hier wohl Kochen könnte. Dann folgte meine Obligatorische Frage, die ich in jedem Betrieb am Anfang meines Einsatzes stelle. „Möchten Sie dass ich etwas verändere, oder soll ich alles so lassen wie es ist“. Leider höre ich viel zu oft den gleichen Satz. „lassen sie alles so, wie es ist“. Ok, aber das war hier kaum möglich, wollte man hier auch nur ein Essen schicken. Allein die Hygienischen Bedingungen waren schon eine mittlere Katastrophe.

Es geht weiter…..

Der erste Auftrag Teil 2.

Nachdem der Stress der ersten Essen in einer wildfremden Küche mit einer unbekannten Speisekarte hinter mir lag, begann ich  damit ,den Stand des Restaurant zu sichten .Wie schon vermutet handelte es sich um ein vor kurzer Zeit frisch eröffnetes Restaurant. Die Euphorie der Gäste für das neue Restaurant in der Stadt war abgeklungen und Stammgäste noch kaum vorhanden. Für die Betreiber hatte eine lange Durststrecke begonnen. Gerade in der Anfangsphase sind Kontinuität und eine gleichbleibende Qualität überlebenswichtig. Hier hatten aber schon  in dieser kurzen aber wichtigen Phase ,drei Köche mit drei verschiedenen Speisekarten versucht, ihre Vorstellung von Küche durchzusetzen. Das machte sich auch sofort am Umsatz bemerkbar. Gäste die bei Koch A gegessen hatten, wollten dann natürlich auch die Gerichte von Koch A. Die gab es natürlich nicht mehr, da Koch A. nicht mehr da war. Und so ging es dann munter weiter mit Gerichten von Koch B. und Koch C. Ein hausgemachtes Problem mit immer wieder enttäuschten Gesichtern vor den Speisekarten. Es musste also schnell Abhilfe geschaffen werden. Schritt  1.bestand darin, herauszufinden was die sogenannten Renner der vergangenen Speisenkarten waren. Schritt 2, Regionale Gerichte zu finden, die zum Ambiente des Hauses passten und die in moderner Form angeboten werden konnten. Schritt 3. Die Wünsche und Ziele der Inhaber, bezüglich des Betriebes Herauszufinden. Aus diesen gesammelten Informationen wurde dann die neue Speisekarte kreiert. Mein Ziel war es, dass auch Köche nach mir diese Karte in gleichbleibender Qualität kochen konnten. Also mussten möglichst genaue Rezepturen für jedes Gericht erstellt werden. In der Spitzengastronomie und Industrie eine Selbstverständlichkeit, aber in machen Küchen immer noch ein rotes Tuch  für die Köche Qualität ist jedoch auch immer Kontinuität. Der nette Nebeneffekt bei der Arbeit mit festen Rezepturen sind natürlich die gleichbleibenden Wareneinsätze. Ein wichtiger Punkt auf dem Plan eines erfolgreichen Restaurants.

Resümee:
Mein Aufenthalt in diesem Betrieb betrug nur 10 Tage. In diesem Zeitraum habe ich das a la carte Restaurant betrieben, einen Koch angelernt, die Speisekarte umgestellt und an Ambiente und Ziele der Inhaber angepasst und die Rezepturen für die Speisekarte erstellt. Dabei habe ich den Inhabern mit Rat und Tat zur Seite gestanden und Ihnen vermittelt, wie wichtig es ist sich auf eine eigene Linie festzulegen und nicht auf die von wechselnden Köchen. 
Viel Arbeit für 10 Tage Aufenthalt werden Sie denken. Richtig. Aber die Erfahrung hat mir gezeigt dass dies noch ein leichter Fall war. In diesem Betrieb waren die Basics wie Hygiene, Wareneinsatz usw. noch in Ordnung. Dies ist in vielen Betrieben aber nicht der Fall, wie sie zum Beispiel im nächsten Auftrag lesen werden.

Nachtrag.
Wie ich nach einigen Wochen erfuhr, sind die Inhaber des Restaurants leider wieder in Ihren alten  Gewohnheiten verfallen. Und probieren fleißig neue Speisekarten mit unterschiedlichen Köchen aus. Mal mit italienischem Einschlag ,dann wieder gut Bürgerlich. Ein munterer Kartenwechsel im Monatstakt. Die Quittung dafür waren dann leere Tische und auf längere Sicht, dass finanzielle Ende für die Betreiber und den Betrieb. Für die Inhaber ist damit sicherlich ein großer Traum zerplatzt, der viel Geld gekostet hat und letztendlich die eigene wirtschaftliche Existenz. Das es auch anders geht, zeigen die heutigen Betreiber, die das Restaurant erfolgreich mit einer guten, auf das Ambiente abgestimmten regionalen Küche betreiben.

Der erste Auftrag.

Nachdem nun der Gewerbeschein in meiner Tasche steckte, stand meiner Tätigkeit als Mietkoch eigentlich nichts mehr im wege. Eine kleinigkeit fehlte allerdings noch. Die Kunden, die meine Dienste buchen wollten. Es mußten also schnellstens Aufträge her.Schon vor meinem Ausstieg als Produktentwickler ,hatte ich schon  probeweise in einer überregionalen Fachzeitung  inseriert, um den Markt für meine neue Tätigkeit zu sondieren. Damals mit überwätigender Resonanz.Im Laufe einer Woche trudelten fast 20 Angeboteaus Deutschland ,Östereich und von den kanarischen Inseln ein. Nachdem nun meine aktuelle Anzeige platziert war, begann das warten auf den ersten Auftrag. In den ersten Tagen frustrierende Null Anrufe. Keine Faxe.Das E Mail Postfach auch leer. Wo waren die tollen Angebote meiner Probeanzeige. Dann nach einigen Tagen endlich die ersten Anfragen. Erstmal sortieren nach Dauer der Buchung, Entfernung und Küchenrichtung. Dann die Entscheidung für ein zwei wöchigen Auftrag in einem Restaurant als Urlaubsvertretung. Anreisezeit 11:00 Uhr.
Pünktlich um 10:45 mit Messerkoffer und Kochbekleidung bewaffnet stand ich nach einigem Suchen vor dem Restauranteingang.Ein Kellergewölbe mitten in der Stadt.Mit offener Showküche.Sah noch alles recht neu aus.Wahrscheinlich eine Neueröffnung.
Nach kurzer Begrüßung dann die Einführung die mich etwas sprachlos machte.“Das ist die Küche, da das Kühlhaus, und  das unsere Speisekarte,
wir öffnen um 11:30 Uhr“ Es war wohlgemerkt 11:15 Uhr.Ich stand in einer wildfremden Küche mit einer mirunbekannten Speisekarte ohne anderes Küchenpersonal ,dass sich auskannte.Das nennt man dann wohl eine herausforderung.Also frisch an Werk. Kühlschubladen inspizieren, fix eine  Mise en place liste  für die Speisekarte erstellen.Combidämpfer checken ,unbekanntes Modell,kurz Probelaufen lassen. So hatte ich mir meinen ersten Auftrag nicht vorgestellt. Aber die schnelle Umstellung auf andere Küchen viel mir noch nie schwer.Waren die letzen Monate meiner Tätigkeit noch  Begriffe wie Yield Test oder Coating an der Tagesordnung, so waren es nun Ochsenmaulsalat und Nierle.
Es geht weiter…

Der Anfang.


Der Start als Mietkoch…

begann mit dem Satz an meinen damaligen Arbeitskollegen,
 „Das ist genau das richtige Wetter, um zu kündigen“.

Mein damaliger Job als Produktentwickler im Airline Catering in der Tochterfirma eines großen Unternehmens mit einem Kranich im Logo ,wurde so abrupt von mir beendet.  
Im Alter von Ende zwanzig trifft man solche Entscheidungen noch schnell und ohne großes Nachdenken über mögliches Scheitern oder andere Konsequenzen.

Gesagt, getan.
Nach diversen Formalitäten wie Gewerbeschein, Versicherungen und dergleichen ging es dann auch schon an den ersten Job…