850 Personen, ein Koch und 6 Einweckkessel.

 

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Vor einigen Jahren wurde ich für eine größere Veranstaltung gebucht.
Eine Hochzeit in einer Stadthalle.
Für circa 850 Personen sollte eine einfache Mahlzeit zubereitet werden.
Ein einfacher Salat, in Schüsseln angerichtet, gebratene Hähnchenbrust, Jus, Salzkartoffeln und Reis.
Im Grunde eine stupide aber einfache Massenproduktion.Wenn das nötige Equipment vorhanden ist.
Nach Betrachtung der vorhandenen Küche kamen mir jedoch die ersten Zweifel an der Einfachheit des Auftrages.
In einer Miniküche mit defekter Deckenbeleuchtung fand ich einen halbwegs funktionierenden Heißluftofen und eine kleine Kippbrattpfanne sowie einen 4 flammen Gasherd. In einem anderen Raum entdeckte ich zum Glück einen großen Combidämpfer mit 10 Einschüben. Das Garen der Hähnchenbrüste war somit gesichert.
Was mit jedoch fehlte, waren Warmhaltegeräte um die Beilagen und das gegarte Hähnchen später warmzuhalten. Den Dämpfer konnte ich nicht nutzen, da die Speisen in einem weit entfernten Raum angerichtet werden sollten.
Nun, dafür würde ich später nach einer Lösung suchen. Die Produktion musste anlaufen, sollte  das Essen Pünktlich serviert werden.
850 Hähnchenbrüste mussten gewürzt und gebraten werden.
Dies stellte sich jedoch als etwas schwieriger wie erwartet heraus. Da Die beiden Geräte in zwei verschiedenen Räumen  standen, musste nun von Raum zu Raum gependelt werden.
Das waren jeweils locker 100 m Wegstrecke. Super. Kostenloses Fitnesstraining.   
Hinzu kam, dass der große Combidämpfer, aus welchen Gründen auch immer, nicht an den Abfluss angeschlossen war. Eine große 40l Plastiktonne war als Auffangbecken missbraucht worden. Die nun alle halbe Stunde geleert werden wollte. Zu allem Überfluss gab es keinen Bodenablauf, sondern nur ein Handwaschbecken. Also 40 kg stemmen und ausgießen. Da war doch was mit Fitnesstraining. Nun, nach 850 Hähnchenbrüsten und gefühlten 10 Kilometer Wegstrecke weiter, war die Arbeit getan. Jetzt mussten nur geeignete Warmhaltegeräte gefunden werden. Nach Inspektion der Anrichteräume hatte ich die Vermutung, dass das Problem mit den Warmhaltegeräten von den Verantwortlichen vor Ort in Angriff genommen worden war. Denn da standen in Reih und Glied, sechs Einweckkessel.
Das sind diese großen Kessel, die man auf  jedem Glühweinstand findet. Dafür erdacht um Flüssigkeiten heiß zu halten. Nicht um Speisen darin zu erwärmen oder längere Zeit heiß zu halten. Als ich den anfänglichen Schock überwunden hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Warmhaltegerät für mein Hähnchen. In der riesigen Anlage war nicht ein Fahrbares Wasserbad oder ähnliches zu finden. Nichts außer einem riesigen mobilen Tassenwärmer , indem hunderte von Kaffeetassen standen. Ein kurzer Temperaturcheck bescheinigte dem Gerät, stolze 110 Grad Temperatur. Das sollte noch ausreichen.
Und so wurden dann 850 Essen von einem Koch aus einem alten Tellerschrank und 6 missbrauchten Einweckkessel ausgegeben. Die Gäste waren zufrieden. Ich hatte Muskelkater und war um eine chaotische Erfahrung reicher.

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