Rückblicke – Oder, es darf (nicht ) gelacht werden.

 

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In täglichen Alltag eines Mietkochs wird es nie langweilig.
Es gibt stressige Aufträge mit viel Arbeit und viel zu wenig Mitarbeitern.
Leider der Standard in der heutigen Küchen.
Es gibt die Aufträge, an denen man das Ende gar nicht erwarten kann, weil weder das Kochen noch das Umfeld in irgendeiner Form motivierend ist. Kommt leider häufiger vor. Professionell abarbeiten heißt dann die Devise.


Und es gibt die Aufträge, wo einfach alles stimmt. Fähige Mitarbeiter, ein tolles Betriebsklima, perfekte Produkte und eine anspruchsvolle Speisekarte.
Dies sind natürlich die schönsten Aufträge.
Bitte mehr davon!

Dann gibt es noch die wirklich skurrilen Aufträge.
Solche werden dann auch schon einmal vorzeitig und einseitig von meiner Seite
aus beendet. Professionalität hin oder her.
So einen „Spezial Auftrag“ hatte ich in einem Betrieb im Süden des Landes.
Ist schon eine kleine Ewigkeit her, aber immer noch sehr lebhaft in meiner Erinnerung.
Kleine Vorgeschichte zu den Gegebenheiten.
Ein schönes sehr renommiertes Familienhotel war in einer langen Tradition überaus erfolgreich und auch Überregional und auch international sehr bekannt. Die Bekanntheit war sicherlich auch auf die nahezu perfekte und außerordentlich kreative Küchenleistung zurückzuführen, die der Betrieb sein eigen nannte.
Nun schien aber das überaus gute Ansehen des Betriebes allmählich zu verblassen.
Die Leistung der Küche noch ganz passabel, aber dem Trend der Zeit hinterherhinkend.
Und so kam die Familie auf die Idee, den alten Glanz von damals, durch einen neuen Stern aufhellen zu lassen. Einen neuen Stern in Form eines talentierten Kochs, der einen Stern erkochen sollte.
Und so wurde dann der besagte Koch, nennen wir ihn der Einfachheit halber Herrn Peters, für viel Geld und noch mehr Versprechungen, engagiert. Dass besagter Herr Peters, dafür einen sicheren und auch noch gut bezahlten Job in einer Hotelkette aufgegeben hat, sei hier nur am Rande erwähnt.
Nun muss man wissen, dass so ein ambitionierter Plan ein Vielfaches an Warenkosten und natürlich auch Personalkosten bedeutet. So begann erst einmal die Personalsuche.
Und so wurden dann auch junge hungrige Köche gefunden und rekrutiert. Köche, die bereit waren jeden Tag 12 und 14 Stunden Dauerstress zu ertragen, für den harten langen Weg Richtung Kochmützen, Michelin-Sternen und Gault Millau Punkten.

Die Voraussetzungen der vorhandenen Küche möchte ich als Ideal bezeichnen.
Die Größe und Ausstattung der Küche waren erstklassig. Die regionalen Lieferanten für erstklassige Produkte gefunden und die engagierten Köche mehr als bereit Ihr Können unter Beweis zu stellen.

Nach meiner Erfahrung gibt es meist einen Haken, wenn alle Voraussetzungen zu perfekt scheinen.
In diesem Fall kam der Haken in Form des ehemalige Küchenchefs und Inhabers daher.
Obwohl die Neuprägung des Betriebes von ihm, als Teil der Familie mitgetragen wurde, arbeitete er konsequent gegen alle Änderungen an.
So wurden Speisepläne in Abwesenheit des Küchenchefs umgestellt. Dienst Einteilungen verändert und dergleichen mehr. Solch ein untergraben der Autorität lässt sich natürlich kein Küchenchef lange gefallen. Und so wurde der Ton zwischen Küchenleitung und Geschäftsleitung zunehmend frostiger und führte dann zur Kündigung seitens des Küchenchefs.
Sympathie für die Entscheidung des Herrn Peters hin oder her. Auftrag ist Auftrag.
Und der wird in der Regel bis zum manchmal bitteren Ende ausgeführt.
Den Tropfen, der das Fass aber letztendlich auch für mich zum Überlaufen brachte und zur sofortigen Abreise, möchte ich kurz schildern.
In dieser nun sagen wir einmal Hightech Küche waren an jedem Posten große Monitore angebracht die mit dem Kassensystem verbunden waren. So musste nicht mehr Annonciert (Ausrufen der Bestellungen) werden und jeder Koch hatte einen guten Überblick über alle eingegangene Bestellungen. Die Geräuschkulisse in der Küche wurde durch diese Technik gemildert, was dem Chef des Hauses durchaus gefiel, dem es merklich ärgerte wenn eine lockere und gute Atmosphäre vorherrschte. Seit Kündigung des Küchenchefs stand nun wieder besagter Eigentümer täglich am Pass um den abendlichen Service zu leiten. So auch an diesem Abend.
Trotz angespannter Situation machte ein gutgelaunter Koch der Küchenbrigade einen kleinen Scherz der sofort mit Gelächter der anderen Köche und mir bedacht wurde.
Dies Missfiel dem Inhaber des Hauses jedoch anscheinend gar nicht, der außer sich vor Wut schrie:“ In meiner Küche wird nicht gelacht“. Um anschließend noch hinzuzufügen. „ Ab heute herrscht in meiner Küche Ruhe und Lachverbot“. Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, ich hätte am liebsten laut losgelacht.
In welchem Jahrhundert lebt den dieser Mensch.
So wurde jedoch nur schweigend die Schürze abgebunden und im ernsten Ton entgegnet:“ Ich lasse mir weder das Sprechen, noch das Lachen verbieten.“
Und Verließ die Küche.
Die Abreise war noch am gleichen Tag.

Lachend…

2 Antworten auf „Rückblicke – Oder, es darf (nicht ) gelacht werden.“

  1. Ja – gut …. hätte ich auch gemacht. sicherlich 98 % der anderen Personen, die ich in dieser Situation sehen würde… Frage aber… hast Du Dein Geld für die vorher gearbeitete Zeit erhalten ??

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